Kindheit



Mein absolutes Lieblingslied in den 90gern war "Kleine Maus" von Das Modul. Damals hab ich überhaupt nicht verstanden, was die Kleine Maus mit einer Datenautobahn zutun hat. Ich hab nicht mal das komplette Wort Datenautobahn verstanden. Daten (Falls mit der Begriff geläufig war) konnte ich partout nicht mit einer Autobahn in Verbindung bringen.
Aber jetzt sitzt ich hier und höre mir mit größer Freude die alten Eurotrash Songs von Blümchen an und erinnere mich zu gern, wie ich als Kind von meinen großen Brüdern nicht nur schickaniert und geärgert wurde, sondern wie sie mich auch auch mal als Köder eingesetzt haben.
Aber bei den Nachbarn hieß es immer "Ey, ärgert die nicht, die zwei große Brüder". Und eigentlich haben mich meine Brüder doch auch lieb. Einer von ihnen hat mich zu meinem 18. Geburtstag sogar angerufen. Der ist aber schon wieder 4 oder 5 Jahre her.
2.3.11 00:25


Heute



Mittlerweile ja eigentlich gestern...
Seit ich Student bin, ist mein Leben ja so unfassbar unspektakulär, dass sich nicht mal ein Internetweblog mehr lohnt, weil so wenig um mich herum passiert, dass ich nicht einmal inspiriert werde, kreativ zu sein.
Am Anfang dachte ich, es ist so richtig lässig, Student zu sein. Zwei mal die Woche Seminar á vier Stunden, wovon pro Woche mindestens eins ausfällt... Aber schnell merkt man, dass soviel nichts zu tun haben echt wahnsinnig macht. Man sitzt rum und hat absolut alles, was man so tun will, schon längst hundert mal gemacht. Und jeden Tag ausgehen ist auch nicht drinn, im Portemonnaie. Kurz: Es ist langweilig. Und wenn's langweilig ist, ist es unfassbar extravagant, wenn man dann mal weggeht und ganz gewöhnliche Dinge erlebt, die an der Tagesordnung standen, als ich noch Schüler war. Zunächst bin ich in die örtliche Bankfilile gegangen, um Überweisungen zu machen und diverse Aufladungen zu erledigen. Dazu musste ich insgesamt drei mal an den Bankautomaten. Davon gibt es nur einen in der Filialle. Zunächst lud ich mein Handy auf (dies war absolut notwendig, da die Simkarte sonst gesperrt worden wäre, weil ich es scheinbar 6 Monate nicht mehr aufgeladen habe >_<). Dann habe ich Geld auf meine Geldkarte geladen (denn in den örtlichen Straßenbahnen kann man nur mit Kleingeld Tickets ziehen, und sowas ist schwer aus dem Bankautomaten zu bekommen, weshalb ich auf die Geldkarte-Methode umgestiegen bin). Und zu guter letzt hab ich dann Bargeld abgehoben. Zuerst stand die schwer hechelnde Oma hinter mir. Dann stellste sie sich demonstrativ neben mich und starrte mich ganz finster von der Seite an. Dann rief sie ein genervtes "Neee" aus und setzte sich auf den Stuhl in der Ecke. Dann erzählte sie einen anderen Kunden, dass sie ja nicht so lang stehen könne. Und als ich fertig war und mein Geld in mein leeres Portemonnaie steckte, rief sie erleichtert "Na endlich!!!"
Meine Güte, ich war so richtig sauer. Ich habe schon hundert Mal meine Bahn verpasst, weil eben genau so eine Oma gefühlte Stunden braucht, um Geld abzuheben. Jeden Tag. Immer und immer wieder. Und so lang hab ich auch nicht gebraucht.

Ich fuhr also mit der Bahn in die Stadt. Wie aufregend. Andere machen das jeden Tag. Und ich vielleicht zwei mal im Monat. Zunächst ging ich in den Copyshop, weil ich endlich meine zwei T-Shirts bedruckt haben wollte, welche in meine Bewerbungsmappe kommen sollen. In dem Copyshop habe ich vor zwei Jahre ein Praktikum gemacht, und der Chef war damals hellauf begeistert von mir. Scheinbar hatte er vorher nur scheiß Praktikanten gehabt. Ich hab einfach nur das gemacht, was er gesagt hat, und ein wenig darüber hinaus Fleiß und Interesse gezeigt. Es war ein gutes Praktikum, ich habe nicht nur viel gelernt, sondern wurde gut gefordertund gefördert. Wie dem auch sei. Der Chef ließ mich die Drucke machen und den Kram auf meine Shirts pressen, wodruch ich ca. anderthalb Stunden im Copyshop tot schlagen konnte. Außerdem habe ich dadurch weniger zahlen müssen, da ja ich gearbeitet habe und nicht er.

Danach bin ich durch die Altstadt und zu den Kirchen gegangen, um meine Intrace & Outtrace Fotostrecke zu beginnen. Irgendwann im letzten Jahr kam mir die Idee, verschiedene Türen zu fotografieren. Heute habe ich das Konzept endlich visualisiert und ca. 20 schicke Türen fotografiert. Letztendlich werden davon aber nur acht veröffentlicht. Ich fotografierte eine Stahlkirchentür, eine alte Holztür, eine Wohnwagentür, eine gläserne automatische Schiebetür und noch die ein oder andere Wohnungtür, Eingangstür, Jugendstieltür, Garagentortür, Holztür, Blechtür, Papptür... zu bewundern gibt's die acht Endergebnisse (vielleicht fotogafiere ich irgendwann mal noch mehr und mache eine größere Strecke raus, so ein Projekt kann man ja quasi endlos gestalten) in meinem Portfolio (Link gibt's auf Anfrage :D ). Danach taten meine beine schon ziemlich weh, und das ganze Nichtstun hat sich gewaltig auf meine Kondition ausgeschlagen (Memo: Dringend Sport treiben. Aber ich mach ja bald Praktikum im Fitnesstudio...). Im Thalia gab es dann noch Mängelexemplare, und weil ich so viel nichts tue, lese ich recht viel, da habe ich gleich drei neue Bücher gekauft. Keines von denen, die ich auf meine "Noch-Lesen"-Liste habe, davon hab ich auch keins im Laden gefunden. Außerdem muss ich auf meine Ausgaben achten U_u (da könnte man sich fragen, ob es dann unbedingt notwendig ist, sich Bücher zu kaufen. Ist es, denn man muss sich ab und an auch was gutes tun, sonst geht man kaputt. Und an die Bücherrei (eine etage höher) habe ich echt nicht gedacht. Ärgerlich, im Nachhinein).
Und um punkt halb drei kam ich dann zur Arztpraxis, weil ich wegen meines Karpaltunnelsyndroms jetzt endlich einen Termin brauche. Natürlich war gerade Mittagspause, bis 15 Uhr. Und weil ich keinen Bock hatte, nochmal in die Stadt zu fahren, wartete ich. Währenddessen lief ich in die Südstadt und machte noch das ein oder andere Foto (u.a. Strukturfotos, eine weitere meiner Fotostrecken).
Und zum krönenden Abschluss musste ich noch zur Aldi, einkaufen. Voll bepackt mit Taschen und Tüten beschloss ich dann (da heult die Kondition) mit dem Aufzug hoch zu fahren, statt, wie üblich (ja, ich laufe immer Treppen; außer ich bin schwer bepackt oder krank) aber irgendwo stand eine Oma und hielt den Aufzug auf. Das machen die gerne mal. Die besuchen sich untereinander auf den verschiedenen Stockwerken, und wenn sie sich verabschieden, bringt die eine die andere noch zum Aufzug, und dann fällt ihnen ein, dass die doch noch ganz viel zu bereden haben. Und weil das auf dem Auzug warten immer so lange dauert, halten sie einfach die Tür öffen, sodass der Fahrstuhl nicht weg kann. Ich steh also unten, während Hanni und Gerda die Problematik der Katzenhaare auf der Couchgarnitur besprechen. Und als der Aufzug dann endlich unten ankommt, springt mir eine Oma entgegen, die "nur mal schnell Post holen und dann wieder hoch fahren will". Habe schon oft erlebt, dass sie sich dann aufregen, wenn man nicht die Tür auf hält und wartet, bis sie ihre Post haben. Aber mal ehrlich, bis sie zum Briefkasten gegangen, ihn geöffnet, geleert und wieder geschlossen haben, bin ich schon längst hoch gefahren und hab den Aufzug wieder runter geschickt.
4.3.11 00:33


Erna



Ja, auch ich gebe meinen Pflanzen namen. Jüngst verabschiedet habe ich mich von Bob. Er ist langsam und elendig verreckt. Angefressen von den Katzen, nicht anständig mit Erde bedeckt, aber immer gegossen. Die Zwiebeln sind irgendwann verfault und dann war's vorbei.
Letztes Jahr im Juni habe ich mir im Aldi eine kleine Engelstrompete gekauft. Sie war so winzig und schäbig. Ihre kleinen Blättchen hingen schlaff am matten Stängel herab, eines war schon ganz braun und löchrig.
Ich nahm sie mit nach Hause, topfte sie in den größten Topf, den ich habe. Dazu warf ich die tote Rose weg, die da noch drin stand, vom letzen Sommer. Gelbe Rosen konnte ich sowieso nie so wirklich leiden. Ich hätte sie wirklich nicht ausgraben sollen, als ich sie mitten auf dem Feld fand.
Zuerst kam ein wenig Erde in den Topf, dann ein wenig Dünger, dann die arme Erna, und dann noch mehr Erde. Dann fest drücken, und mit Wasser wieder alles auflockern. Ab jetzt konnte es Erna gut gehen. Und so kam es dann auch. Sie erholte sich von den Supermarkt-Strapazen und wuchs zu einer prächten, grünen Pflanze heran. Wenn es warm und sonnig war, kam sie auf den Balkon. War es windig und kalt, stellte ich sie rein. Ich goss sie jeden Tag, oder jeden zweiten, und begutachtete jeden Tag ihre steitg größer werdenen Blätter... die auch immer mehr wurden. Ich liebte meine Erna. Und sie genoss meine Fürsorge. Mitte September stelle ich Erne ins Wohnzimmer, weil es draußen langsam zu kalt für sie wurde. Meine Mutter, ihrerseits ein Garten- und Blumenmeister und noch darüber hinaus, sagte, dass es eigentlich zu warm sei, so ganz in der Wohnung für eine Engelstrompete.
So kam Erna in den Flur, da ich ja keinen anständigen Schuppen oder Keller habe. Das Gießen vernachlässigte ich mit der Zeit, und Erna verlor auch ihre prächtigen, großen Blätter. Einer der beiden Stängel wurde grau, der andere blieb schön grün. Irgendwann kam ich auf den Trichter, dass im Flur garkein Fenster ist und sie dadurch garkein Licht tanken kann. So kam Erna zusammen mit Kate, einer Drachenpalme ihrerseits, und Leo, einem Bambusstab, ins Badezimmer direkt ans Fenster. Ob ihr die Luftfeuchtigkeit dort gut tat, wusste ich nicht. Mitte Februar 2011 aber sollte ich erfahren, ob Erna den Winter gut überstanden hatte, oder nicht. Sie bekam neue Blätter. Der graue Stab rfärbte sich langsam wieder ins Grüne zurück, und die Blätter, oben, werden von Tag zu Tag größer und mehr. Meine kleine große Erna, eine Aldi-Pflanze, winzig klein bei der Adoption, mit einem Jahr schon gute 50cm hoch. Ich bin stolz auf sie. Und auf mich. Erna wird diesen Sommer im vollen Glanze erblühen. Und vielleicht kommen dieses Jahr ja auch Blüten?
5.3.11 05:20


Ideen, Inspiration. I need Erleuchtung



"Erkundung eines Ortes" lautet das Thema, welches ich fotografisch umsetzen muss. Und natürlich ist mein Kopf leer. Na klar, die banalsten Ideen sind mir auch schon in den Sinn gekommen, aber einfach nur die Sehenswürdigkeiten zu fotografieren ist nichts außergewöhnliches. Aber vielleicht macht genau das die Idee zu etwas weniger gewöhnlichen, als es eigentlich ist. Hat jemand eine Idee?
5.3.11 19:46


Fahrrad



Ich habe mein Fahrrad aus dem Keller geholt, und bin losgefahren. Na ja, nicht ganz. Der Prinz meinte, die Reifen müssen noch aufgepumpt werden. Ich meinte das nicht, denn ich konnte sie nicht problemlos eindrücken, im Gegensatz zu ihm. Manchmal vegisst man eben, dass der andere zu einer gänzlich anderen Gewichts- und Kraftklasse gehört. Als ich dann tatsächlich losgefahren bin, mit den frisch aufgepumpten Reifen, spürte ich diese Tatsache gleich beim Bordstein, den ich herunter fuhr. Die Reifen waren so hart, dass sie nicht nachgaben und federten. Und so bin ich den ganzen Weg gefahren - Autsch. Kein Wunder, dass ich heute Probleme habe, normal zu sitzen. Außerdem, daran denkt man ja nicht unbedingt, ist das Rad geplagt von drei Jahren im Keller stehen... alles, was ölig sein sollte, war staubtrocken. So war es mir absolut unmöglich, runter zu schalten... und wenn man dann über grobes Kopfsteinpflaster fährt, und ausversehen hochschaltet, steht man da. Im 18. Gang und kommt nicht vor und nicht zurück.
Ich wollte zu einem Ort, wo letztes Jahr bedingt durch das Kuluthauptstadtjahr eine alte, zerfallene Ruine künsterlisch umgestaltet wurde, und diese fotografieren.
Da ich zur Zeit keinen USB-Stick habe, habe zuvor die SD-Karte aus der Kamera genommen, um damit Daten zum Copyshop zu transportieren (Ja, ich hab zwar mehr als eine SD-Karte, aber ich hab keinen Kartenleser (außer am Laptop, aber den nutz ich nicht für's Arbeiten) und musste die Daten mithilfe der Kamera auf die Karte ziehen, da hab ich Karte dann aus der Kamera rausgenommen und dafür keine andere eingesetzt und dann, obwohl ich noch dachte "das darfste dann nicht vergessen", hab ich es vergessen, und zog los, zum fotografieren, ohne Speichermedium. Sooo schwierig, bei einer Digitalkamera). Das war dann ein kleines bisschen ärglerich, aber nicht so viel. Weil ich ja eh vor hatte, am Tag darauf (heute) wieder dahin zu fahren. Und erfahrungsgemäß sind Montagsmorgens sehr viel weniger, nervige Menschen unterwegs, als Sonntagvormittags. Menschen sind sowieso das aller ätzenste, was es so gibt, wenn man mal unterwegs ist. Am meisten mag ich diejenigen nicht, die sich darüber aufregen, dass du mit dem Rad hinter ihnen fährst, dich aber nicht meldest, damit sie Platz machen um dich vorbei zu lassen. Auf einem Fußgängerweg ohne Fahrradweg nehm ich mir doch nicht raus, die Fußgänger wegzuklingeln. Ich hab zudem keine Klingel. Und ein lautes Organ auch nicht. Um normale Sprechlautstärke zu erreichen, muss ich immer schreien, und das ist auf Dauer anstregend, deshalb rede ich nicht viel.
Und am zweit meisten hasse ich diese Menschen, die in einer 8-Köpfigen Reihe alle nebeneinander laufen müssen, auf einem fünf meter breitem Weg, und damit weder rechts, noch links, in irgendeiner Form Platz lassen, zum vorbei kommen. Wieso laufen die alle nebeneinander? Ich bin noch niemals in einer größeren Gruppe in einer Reihe nebeneinander gelaufen. Das ist doch voll doof.
Nach Hause bin ich dann mal nicht den üblichen, bekannten Weg gefahren, sondern den Fahrradfahr-Schildern Richtung nach Hause lang. Da hat's mich gewundert, weil sie mich irgendwie eine irre lange Strecke in die entgegen gesetzte Richtung geschickt haben. Irgendwann führten die Schilder dann wieder zurück, und zwar einen irren steilen Berg hinauf. Ich meine, ich kann diesen Berg bestimmt schaffen mit dem Rad. Irgendwann. In ein paar Wochen. Wenn ich jeden Tag meine Kondition trainiere. Aber jetzt? Mir ging es noch niemals so schlecht, konditionsmäßig, wie jetzt. Ich hab auch noch nie soviel nichts getan. Nicht mal in der Zeit zwischen Sekundarstufe 1 und Oberstufe, als ich ein Jahr lang krank rumlag, hatte ich so viel nichts zu tun.
Diese unglaubliche Schwachheit führte auch dazu, dass ich heute nicht gefahren bin. Denn ich wachte auf und war einfach unglaublich fertig. Stattdessen bin ich in die Stadt gelaufen, stand ein paar Stunden rum und hab den Rosenmontagszug (nicht) bewundert und bin dann wieder nach Hause gelaufen. Morgen geht's dann aber wieder mit dem Rad zu den alten Ruinen, wirklich Fotos machen, und ins Fitnessstudio.
8.3.11 01:09


Streifenpolizist muss man sein



Eigentlich nicht. Das ist doch ein undankbarer Job. Also vor ungefähr einem Jahr fing hier im Haus jemand an, ziemlich basslastige Musik zuhören. Also, nicht zu humanen Zeiten wie Mittags oder Abends. Das begann Morgens um 4 und ging bis Abends um 3. Zunächst dachte ich, dass sei mein unmittelbarer Nachbar, der zeitgleich mit mir hier eingezogen ist. Der sah nämlich so nach House-Elektro-Zeugs aus. Bass kann man nämlich nicht lokalisieren, deshalb musste ich natürlich schätzen. Zu der Zeit fing besagter Nachbar, mit dem ich meine Wohnzimmerwand teilte, auch an, vermerht Sisha-Partys zu feiern, sich mit seiner Freundin zu streiten und lautstark auf dem Balkon zu telefonieren. Bei einem Telefonat bekam ich dann mit, dass er gerade dabei war, auszuziehen. Ich ließ ihm auch die Partys, denn er war jung (bin ich ja auch :D), und wie ich aus seinen Gesprächen heraus hören könnte, war irgendein Abschluss gemacht (ich nehme an, Abitur, da er mal sagte, er wolle dann Management studieren. Allerdings wollte er im Sommer vorher auch ganz viel lernen, und ich pers. wüsste nicht, wieso man in der 12. Klasse lernen sollte... aber vielleicht ist er ja durchgerasselt? Na ja, egal). Dann zog er aus, und unmittelbar danach begannen nebenan die Rennovierungsarbeiten, und zwar um acht Uhr Morgens (sei gesagt, dass ich in dem Jahr auch mein Abitur gemacht hatte und daher von März bis September frei hatte und das vorallem im Sommer genoss und so frühsportliche Renovierungen nicht begrüßte). Dann zog ein blondes Mädchen dort ein (das blond fällt sehr auf, deshalb erwähne ich es), und die Boum-Boum-Musik fing wieder an (vielleicht war sie auch nie weg, keine Ahnung). Dazu bereicherte der altbekannte Geruch von verbennendem Mariuhana den Flur, und den Balkon, und ich beschloss, dass ich diese Nachbarin mehr mochte, als den Typen vorher. Bis heute dachte ich übrigens auch noch, dass die laute Musik von ihr kam. Ich liege so gemütlich auf der Couch und lese ein tolles Buch (ich kann nämlich nicht einschlafen, dennoch würde ich eine absolute Stille begrüßen. Aber generell ist so ein stetiger Bass von irgendwo echt nervig), und dieses penetrante Bum Bum Bum Bum Bum Bum dröhnt dabei so beißend in meine Ohren, dass sich sämtliche Hemmungen in mir lösten. Ich war noch nie bei der Nachbarin schellen, wegen dem Lärm (sie hat sogar mal eine Party angekündigt, was sie gleich noch symphatischer machte).*
Mein Auftreten ist nicht sonderlich selbstbewusst... meistens zumindest... durch meine Körpergröße und die dazugehörige Körperform (klein und zierlich) und das im Vorpost erwähnte, nicht laute Organ.
Aber heute Nacht war ich einfach so geladen, dass ich mir Schuhe anzog, um die Quelle des Lärms zu suchen. Die Nachbarin war es nicht. Sie schaute nur Fernsehn, was ich hier, in meiner Wohnung, nur sehr leise wahrnehme und worüber ich hinweg sehen kann. Ein Stockwerk höher*, ich öffnete die Feuerschutztüren zu den Wohnungen, hörte ich auch nichts. Und dann, noch eine Etage weiter oben, dröhnte die Musik aus der Apartment-Wohnung, als wenn es eine Dikothek wäre. Es wundert mich wirklich, dass die unmittelbaren Nachbarn noch gar nichts dazu gesagt haben. Na ja, wie sollten sie? Als ich schellte, rührte sich absolut nichts. Auch, als ich das zweite mal klingelte, um den Musikhörer zu bitten, Kopfhörer zu nutzen, da ja nunmal noch ungefähr 40 andere Wohnungen in diesem Haus sind, auf deren Bewohner man eben Rücksicht nehmen muss. Als ich dann anklopfte, wurde die Musik im Inneren nur noch lauter. Da platze dann mein sprichwörtlicher Faden (edit: Faden? Ich meinte Kragen). Ich ging wieder zurück in meine Wohnung, schnurschnacks zum Telefon und wählte die 110. Ja, man kann wirklich pingelig sein, oder? Aber, na ja, die Musik läuft jetzt seit gut einem Jahr (ich erinnere mich ziemlich genau, weil sie mich das erste mal um 4 Uhr morgens an einem meiner letzten Schultage im März geweckt hatte), und es ist Dienstagmorgen (war es letztes Jahr übrigens auch), zwei Uhr. Ich würde es an einem Freitag verstehen, und an einem Samstag. Aber doch nicht mitten in der Woche? Und vorallem nicht ständig. Ich weiß, dass man gesetzlich einmal im Jahr eine lautere Party zu Hause feiern darf, die Nachbarn höflicherweise vorher auf einen etwas lauteren Abend informieren sollte (ist ja alles kein Muss, aber eben höflich).* Ich war so voller Adrenalin, dass ich überhaupt keinen Schiss vor dem Gespräch hatte. Ich spielte schon öfter mit dem Gedanken, aber fände es doof, die Bullen zu rufen, wenn ich nicht wenigstens selbst mal vorher oben war. Da ja aber, wie erwähnt, oben überhaupt niemand vernünftig reagiert hat, sah ich keinen anderen Ausweg. Ich wollte ja auch nicht die anderen Nachbarn belästigen. Also meldete ich die Ruhestörung. Laute Musik. Oben im Fünften. "Alles Klar, ich schicke dann eine Streife vorbei".
Supi :D die kam auch recht schnell, und schellte zuerst bei mir. Sie kamen dann auch zurerst zu mir, und sahen mich so musternd an und fragten: "Worum geht's?" Und ich dachte, ich hätte das ja eben alles dem Typen am Notruf erzählt, aber gut. "Lärm. Oben im fünften." Und die beiden starren mich so komisch an, und ich starre so komisch zurück... ja, wie jetzt? "Da ist echt laute Musik." Und dann meinten die "Im vierten?" Und ich schüttel den Kopf: "Nein im fünften. Ich war ja gerade schon da, aber da reagiert niemand." "Ach so", verstehend nicken die beiden und sagen, dass sie dann mal noch oben gehen. Und ab hier... ja was passiert ab hier? Ich hab nur noch gehört, wie oben an die Tür geklopft wurde.
Also, wenn es jemanden zu laut ist, geht man zuerst mal selbst hin. Ich würde sagen, zwei bis drei mal, wo man dann droht, die Polizei zu rufen, sollte der Übeltäter seine Musik nicht leiser machen. Erst dann ruft man die Polizei. So seh ich das. Sonst wirkt das so... na, ich weiß nicht.
Die Beschwerden über mich, zum Beispiel, einmal wegen Lärm in der Nacht, und einmal, weil ich meine Post zu selten aus dem Briefkasten geholt habe (ehrlich jetzt!), kamen nicht direkt zu mir, sondern gingen zum Hausmeister, der sie dann (mitten in der Aldi!) an mich weiter leitete. Ist doch doof. Sind die zu feige, oder was ist deren Problem, mit mir persönlich darüber zu reden? Der Prinz hatte schon gesagt, dass er da mal hoch geht. Er wirkt ja schon recht einschüchternd, mit seinen zwei Metern und der Bodybuilder-Statur. Aber was nützt ein schweres Aussehen, wenn der Typ selbst zu feige ist, die Tür zu öffnen, wenn jemand klingelt, der sich beschweren will? Also, das ist eigentlich auch so eine Nummer. Das ist, wie anonym auf Weblogs bescheuerte Kommentare zu posten, weil man zu feige ist, zu dem, was man meint/sagt/vertritt zu stehen, weil man Angst vor Auseinandersetzungen und Konfrontationen hat. So ähnlich ist es für mich auch, ohne Vorwarnung die Polizei zu rufen, wenn jemand nervt. Ich hab ja vorgewarnt. Und wenn er die Tür aufgemacht hätte und sich mal angehört hätte, was ich sagen wollte, hätte ich nicht sofort die Bullen gerufen. Erst nach dem zweiten Mal hätte ich das getan. Na ja, aber wie man das so kennt, mit den Polizei-Ermahnungen, sind die ja eigentlich nur einschüchternd gemeint. Was sollen sie schon großartig machen, außer zu sagen "Ey, mach deine Scheiße hier leiser, da unten im Dritten hat sich wer beschwer!"
Aber ich meine, diese Einschüchterung ist manchmal schon genug (ey, der Typ hat die Musik nur aufgedreht, als ich geklopft habe?? Man, was für ein mieser, feiger Hund!). Wie ich jetzt aber feststele (bei den * schon), hat ihn das nicht wirklich eingeschüchtert, und die lauten Bässe (heißt das Bässe?) dringen gerade schon wieder in meine Wohnung.
Also, was soll ich jetzt tun? Nochmal die Bullen rufen? Nochmal hoch gehen?
Wie mir gerade eingefallen ist, werde ich morgen mal zum Hausmeister gehen und ihr sagen, dass der Typ im fünften Nachts echt laut ist. Auch, wen ich bezweifel, dass ihn das in irgendeiner Form jucken wird (da hat jemand ein ganz schön ignorantes und feiges Arschloch großgezogen, erinnert mich ein wenig an die rothaarie Mitschülerin, die ich mal hatte (ich schreibe rothaarig, weil das sehr aufgefallen ist). Und dann könnte ich noch bei der Genossenschaft anrufen und mich dort beschweren, die können doch sicherlich auch was machen? Na ja, und wenn ich all das getan habe, dann werde ich aus diesem Haus ausziehen. Aber das ist mir egal. Ich bin nämlich wirklich, wirklich sauer auf diesen Typen, der ab sofort bei mir "ignoranter Feigling (aus dem 5.) heißt.
8.3.11 02:43


Leere?



Ich bin gerade so leer. Im Sinne von Kopfleer. Nicht Gefühlsleer.
11.3.11 00:02


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